L.U.CEUM – ein Museum über die Zeit
Schweizer Uhrenhersteller Chopard vergab das Design an thema gestaltung
Genf/München, im September 2006 – Im Dachstuhl einer Uhren-Manufaktur mit historischem Hintergrund hat das Münchner Gestaltungsbüro thema gestaltung in einjähriger Arbeit ein Museum der Zeit eingerichtet. Unter dem Titel „L.U.CEUM – Spuren der Zeit“ stellt der Schweizer Uhrenhersteller Chopard in Fleurier bei Genf nicht nur seine eigenen Produkte vor, sondern führt gleichzeitig durch die Geschichte der Zeit aus mehr als zweitausend Jahren. Die Münchner Designer unter der Leitung von Birgit Binner haben das „L.U.CEUM“ konzipiert und realisiert. Pünktlich zum zehnten Jubiläum der Marke L.U.C ist es Mitte September eröffnet worden.
„Das Faszinierende an diesem Auftrag sind die Präzision und die Ruhe, die die Chopard Manufacture in Fleurier ausstrahlt. Ich fühlte mich dort sofort wohl. Deshalb war mir klar, dass auch das Museum die volle Konzentration auf jede Sekunde ermöglichen sollte“, sagt Birgit Binner, Inhaberin von thema gestaltung. Die Manufaktur wurde 1996 errichtet, um Uhren der neuen Collection L.U.C von Chopard unter einem Dach zu entwickeln und herzustellen. Der Name L.U.C erinnert an Louis Ulysse Chopard, der das Unternehmen Chopard in Genf 1860 gründete. Eine seiner ersten Uhren aus dieser Zeit ist im L.U.CEUM ausgestellt.
Seit 46 Jahren ist Chopard im Besitz der Familie Scheufele und wird nun in zweiter Generation von Karl-Friedrich Scheufele geführt. Mit der Entscheidung, Uhren wieder komplett einschließlich des Uhrwerks manuell im eigenen Haus herzustellen, setzt er in der französischen Schweiz im Ort Fleurier bei der Marke L.U.C konsequent die fast 150 Jahre alte Tradition seines Hauses fort. „Ich hätte mir keinen besseren Ort für ein solches Museum vorstellen können als das Schweizer Jura, in dem die Uhrmacherei ihren Ursprung hat“, bestätigt Birgit Binner.
Das Museum, dessen Name L.U.CEUM auch eine Anspielung auf das französische Wort „lycée“ für Weiterführende Schule und damit auf Bildung darstellt, stellt Historisches und Zeitgenössisches lehrreich nebeneinander. Das Konzept sieht eine Einteilung der rund 60 Exponate in verschiedene Themen vor.
• Den Anfang machen „Elementaruhren“, die bis auf 300 v. Chr. Zurückgehen, darunter Sonnen- oder Sanduhren. So genannte Kanzeluhren wurden von Geistlichen verwendet, um mit der Predigt in der Zeit zu liegen.
• Dann geht die „Zeit auf Reisen“, mit einer 450 Jahre alten Kutschenuhr des Uhrmachers Johann Sebastian Heckel aus Friedberg bei Augsburg und mit einer aktuellen „L.U.C GMT“, die neben Datum, Stunde, Minute und Sekunde noch eine zweite Zeitzone anzeigt.
• Komplizierte Uhren mit speziellen Anzeigen und Uhrwerken sind unter dem Motto „Höchstleistungen jenseits der Standards“ zu sehen, zum Beispiel ein Planetarium im Taschenuhrenformat aus der Zeit um 1790 oder die aktuelle „L.U.C LUNAR ONE“, die in der Datumsanzeige sogar Schaltjahre kennt und eine außergewöhnliche Mondphasenanzeige hat.
• Zu den Meisterleistungen der Handwerkskunst gehören insbesondere die Tourbillon-Uhren. Sie sind in der Abteilung „Die Zeit rotiert um sich selbst“ ausgestellt. Dabei werden Lageveränderungen einer Taschenuhr, die eine Gangungenauigkeit hervorrufen würden, ausgeglichen. Von solchen Uhren wurden im 19. und 20. Jahrhundert nur 700 Exemplare weltweit gebaut. Mit der „L.U.C 4T – Quattro Tourbillon“ hat Chopard seine Interpretation dieser Technologie auf den Markt gebracht.
• Der Ort Fleurier ist Uhrenkennern aufgrund seiner Herstellung von „Uhren für den chinesischen Markt“ schon aus dem frühen 19. Jahrhundert bekannt. Die Brüder Bovet hatten sich rein auf den Markt Fernost spezialisiert. Das L.U.CEUM zeigt Bovet Uhren aus dieser Zeit. Demgegenüber stellt Chopard sein speziell für den chinesischen Markt entwickeltes Modell „L.U.C Twin“ mit automatischem Aufzug und kleinem Sekundenkreis im Zentrum mit verkürztem Sekundenzeiger vor. In China sind Paar-Uhren sehr beliebt.
• Eine weitere Abteilung ist den Präzisionsuhrmachern des 18. und 19. Jahrhunderts von Berthoud über Houriet, Winnerl und Potter bis Ditisheim gewidmet. Unter dem Motto „Meßlatte der Genauigkeit“ wird als aktuelles Exponat eine „L.U.C 4R – Quattro Régulateur“ gezeigt, bei der nicht nur Sekunde, Minute und Stunde eigene Zifferblätter haben. Ein viertes Zifferblatt zeigt alle 24 Stunden eines Tages.
• Unter dem Motto „Die zerhackte Zeit“ werden schließlich Stoppuhren ausgestellt. Zum zehnten Jubiläum der Collection L.U.C präsentierte Chopard am Dienstagabend erstmals seine Jubiläumsuhr 2006, ein Chronometer mit schwarzem Zifferblatt.
• Außerdem sind Uhrmacher-Werkzeuge zu sehen. Die Besucher des L.U.CEUM sollen dies selbstständig erkunden, ohne Führung. Damit will thema gestaltung die kontemplative Ruhe des Hauses erhalten. Die Besucher haben gleichzeitig die Möglichkeit, die Uhren-Manufaktur zu besichtigen, können bei der Produktion zusehen und den Mitarbeitern Fragen stellen.
thema gestaltung lieferte dazu ein durchgängiges Beschilderungskonzept, das durch die einzelnen Stationen der Uhrenherstellung führt. Dabei werden die sechs Etagen mit einer Farbkodierung identifiziert. Ein Leporello, das mit dem gesamten Farbspektrum arbeitet, vermittelt kompakte Informationen zu jeder Etage der Manufaktur und ergibt zusammengefaltet ein Bild vom ganzen Haus.
Der Komponist Christian Mings hat für das L.U.CEUM die passende Musik mit zeitgenössischen und klassischen Elementen komponiert. Birgit Binners Idee, das L.U.CEUM als Forum zu nutzen, wird Leben in die Ausstellung bringen. So sollen Historiker über die gezeigten Uhren berichten, Philosophen und Physiker mit ihrem eigenen Blickwinkel über das Phänomen Zeit sprechen - und etwa Psychologen über das Zeitgefühl.
Auf 350 Quadratmetern unter dem Dachstuhl der Manufaktur hat Birgit Binner die Strukturen des Museums mit der Präzision eines Uhrwerks geschaffen. Binner nutzt exakt die Kojen des Dachstuhls zur inhaltlichen Codierung der Ausstellung. Die metrische Norm dabei ist die Zwölf des Zifferblatts. So sind die Objektschilder zwölf Mal zwölf Zentimeter groß, die Paneele der Vitrinen 24 Zentimeter breit, und die Abstände zwischen den Vitrinen stehen in einem Abstand von 120 cm oder einem Vielfachen von zwölf Zentimetern voneinander entfernt. In dieser klaren Zwölfer-Taktung spiegelt sich die Präzision der Uhren von Chopard wieder. Sie verleiht den Ausstellungsräumen eine besonders ruhige Struktur. Als Grundfarbe hat thema gestaltung Schwarz gewählt, um das Gold und Silber der Uhrenabbildungen noch edler leuchten zu lassen. „Mit Schwarz assoziiere ich außerdem etwas Kosmisches und setze so das Thema der begrenzten Zeit mit dem unbegrenzten Raum in Relation“, erläutert Birgit Binner. Die schwarzen Vierkantsäulen exponieren die gezeigten Uhren in Augenhöhe und laden zum RundherumErkunden ein, um etwa die rückseitigen Gravuren zu bestaunen oder die Texte zu lesen. Eine Seite der Vitrine erklärt die Uhr, die andere den Uhrmacher.
Die Texte werden auf Englisch und Französisch angeboten und stammen vom deutschen Uhrmacher Dr. Peter Frieß. Der Historiker ist seit kurzem Präsident des kalifornischen Museums The Tech im Silicon Valley. Er hat auch die Texte des Kataloges verfasst, für den François Bertin fotografiert und thema gestaltung die mehrsprachige Umsetzung übernommen hat. Die Paneele und die Objekte in den Vitrinen sind dank eines von thema gestaltung völlig neu entwickelten Konzepts sehr schnell modular austauschbar. So kann das komplette L.U.CEUM innerhalb einer Stunde neu bestückt werden. Dazu werden die Exponate einfach auf ihren Objektträgern heraus- und die magnetischen Paneele abgenommen. So können zum Beispiel auch für eine angekündigte japanische Besuchergruppe kurzerhand die entsprechenden Texte eingesetzt werden.
Vom kürzlich verstorbenen belgischen Bildhauer Jean-Michel Folon ist am Ende des Gangs eine Bronzestatue zu sehen, die einen Menschen mit Zifferblatt als Kopf zeigt. Der ebenfalls 2005 verstorbene Künstler Arman ist mit seinen in Plexiglas gegossenen Uhren vertreten.
Über thema gestaltung
thema gestaltung wurde 1993 in München gegründet. Das Gestaltungsbüro beschäftigt dort sechs Mitarbeiter und deckt die Design-Bereiche Grafikdesign, Mediengestaltung, Innenarchitektur und Filmproduktion ab. Gründerin von thema gestaltung ist die Nürnbergerin Birgit Binner, die sich bald nach ihrem Studium der visuellen Kommunikation selbstständig machte.
Zu den Vorzeigekunden der letzten 14 Jahre gehört neben der Stadt München und dem Bayerischen Rundfunk für die Birgit Binner die Corporate Identity zu verschiedenen kulturellen Projekten entwarf, auch das Deutsche Museum in Bonn. Darin ist die Technik der deutschen Nachkriegsgeschichte augestellt. thema gestaltung begleitet das Museum in Bonn seit der frühen Planungsphase 1992 bis heute und realisiert Raumkonzepte, Grafiken, Sonder-Ausstellungen und Veranstaltungen. Bislang kamen mehr als eine Million Besucher in den Genuss. Von der Smithsonian Institution in Washington erhielt thema gestaltung den Auftrag, zum 100jährigen Jubiläum des Nobelpreises im Jahr 2000 mit Exponaten aller Preisträger eine Ausstellung und Veranstaltungen über ein ganzes Jahr hinweg zu konzipieren (knapp 500.000 Besucher). Anschließend adaptierte thema gestaltung das Konzept für das Deutsche Museum in München (2001), für das Deutsche Museum Bonn (2002) und für den Deutschen Akademischen Austauschdienst, der mit der Ausstellung seit 2003 durch Asien reist. Vor der Gründung des eigenen Gestaltungsbüros war Birgit Binner im Auftrag des Büros für Gestaltung, Prof. Eberhard Stauß mit dem Erscheinungsbild des Münchner Flughafens betraut.
thema gestaltung arbeitet sich in die Themenwelt seiner Kunden ein und versteht es als seine Aufgabe, Informationen auf das Wesentliche zu reduzieren. Der Laie ohne Vorkenntnisse soll eine Ausstellung ebenso gerne besuchen wie der Spezialist, der noch etwas Neues erfahren will. Dieser Spagat ist Spezialität von thema gestaltung. Die Arbeiten zeichnen sich durch einen sachlich-nüchternen Stil aus, der den Anspruch verfolgt, zeitlos zu sein.
Seit 2006 gibt es thema gestaltung california mit Sitz in San José und zwei Mitarbeitern. Aus der kalifornischen IT-Wirtschaft gibt es bereits Anfragen für die Gestaltung eines Firmenmuseums.
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